Kritiken
Herma Koehn spielt die heilige Johanna der Einbauküche
Mehr als 200 Mal hat Herma Koehn mit ihrem Ein-Frau-Stück „Frauke Petersen oder Die heilige Johanna der Einbauküche“ landauf landab auf Bühnen gestanden, ein Ende ist nicht abzusehen.
Der Monolog nach dem englischen Original „Shirley Valentine“ von Willy Russell war ursprünglich als kleiner plattdeutscher Ohnsorg-Abstecher in der Winterhuder Komödie gedacht. Weil die Produktion – in plattdeutscher Übersetzung von Herma Koehn – so erfolgreich wurde, bat der damalige Intendant Rolf Mares die Schauspielerin, das Stück ins umgangssprachliche Norddeutsch zu übersetzen. Seit 1994 bewegt das Schicksal der Frauke Petersen die Gemüter.
Frauke Schütt, geborene Petersen, ist eine normale Hausfrau aus dem Hamburger Umland, die jahrelang nur für ihre Familie gelebt hat. Der graue Ehealltag zwischen Kochtopf und Schmutzwäsche erlaubt keine Zeit für Träume, er spielt sich in der Einbauküche ab.
Die Lage spitzt sich zu, als sie eines Donnerstags ihrem Göttergatten Heiko statt der gewohnten Frikadellen als Ersatz Spiegeleier serviert und diese auf den Schoß gekippt bekommt. Der Entschluss steht für sie fest: Sie nimmt das Angebot ihrer Freundin an, mit ihr nach Korfu zu fliegen. In der Küche bleibt statt eines Abendessens ein Zettel zurück: „Bin in Griechenland. Komme in 14 Tagen wieder.“ Das amüsante aber auch anrührende Emanzipationsstück in einer Inszenierung von Wilfried Dziallas zeigt, welche Erfahrungen Frauke unter südlicher Sonne macht.
Bad Bramstedt (Ausschnitt)
DIE WELT
Dem lieblosen Alltagstrott einfach einmal entfliehen
Erstaunlich, dass der Monolog „Shirley Valentine“ von Willy Russell von Darstellerinnen des Zwischenfachs noch nicht so recht entdeckt worden ist. Sie müssten sich reißen um dieses Porträt einer 42jährigen Hausfrau, die den Mut hat, dem lieblosen Alltagstrott zu entfliehen mit der lapidaren Mitteilung „Bin in Griechenland – komme in zwei Wochen wieder.“
Herma Koehn, Protagonistin des Ohnsorg-Theaters, hat dieses unverkrampfte Emanzipations-stück nicht nur für sich aufgespürt, sie hat es ausgezeichnet ins Plattdeutsche übersetzt und spielt die Rolle der „Frauke Petersen – oder Die heilige Johanna der Einbauküche“.
Im Saal 1 der Komödie Winterhuder Fährhaus war gestern diese wunderbar wahrhaftige, deftig-komische und gleichzeitig berührende Lebensgeschichte mitzuerleben, die Wilfried Dziallas sehr behutsam inszeniert hat. Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn dieses Ohnsorg-Gastspiel nicht eine lange Laufzeit hätte. Es ist einfach zu gut.
M.N.
Hamburger Abendblatt
Das Ohnsorg-Theater erobert Winterhude
In der subtilen Regie von Wilfried Dziallas kostet Herma Koehn alle Nuancen dieser Rolle aus. Da stimmt jeder Ton: Sie ist sehnsuchtsvoll und resolut, resigniert, voll Gefühl und voller Frust. Genüsslich gibt sie sich dem Tratsch hin, bissig und mit trockenem Mutterwitz berichtet sie über ihre Ehe. Die Tränen stehen an der Kante, wenn sie resümiert, was aus ihr geworden ist. Und die Freude strahlt ihr aus den Augen, wenn sie davon erzählt, wie sie sich in Griechenland selbst als ein lebendiges Wesen neu gefunden hat. Das ist mehr als das Porträt einer Frau in den mittleren Jahren, es ist ein wunderbares Plädoyer für das Selbstbewusstsein eines Menschen schlechthin.
beh / (Ausschnitt)
Hamburger MORGENPOST
Mitreißender Monolog
Die Premiere der Ohnsorg-Produktion „Frauke Petersen oder Die heilige Johanna der Einbauküche“ in der Komödie Winterhuder Fährhaus war ein voller Erfolg – dank Herma Koehn. Sie übertrug Willy Russells Erfolgsstück „Shirley Valentine“ vom Englischen ins Plattdeutsche, verlegte es von Liverpool ins Hamburger Umland – und spielte mitreißend den Monolog der Shirley Valentine alias Frauke Petersen. Herma Koehn setzt alle Facetten der Frauke Petersen überzeugend ins Bühnenlicht: ihre Traurigkeit und Frustration, ihre Lebensfreude und ihren zynisch-sarkastischen Humor. Und wenn sie so in resolutem Platt das Leben und die Gesellschaft auf die Schippe nimmt, wirkt das derart überzeugend, dass das Stück in einer anderen Sprache kaum denkbar ist.
Andrea Harmsen / (Ausschnitt)
DIE WELT
Aus den Hinterzimmern männlicher Macht
Komisch und anrührend zugleich spielt Herma Koehn den Emanzipationsprozess einer Frau, die sich in verzweifeltem Trotz aufbäumt gegen den Verlust ihres Selbstwertgefühls, gegen die Auflösung der Frauke Petersen in den Gewohnheiten eins ritualisierten Alltags.
Die großartige Schauspielerin und der herbe Charme des Niederdeutschen ersticken jeden Anflug von Sentimentalität im Keim. Ein starkes Stück Theater.
Joachim H. Wilhelm (Ausschnitt)
taz
Flucht geglückt
Handfest und schnörkellos – wie das Bühnenbild von Malte Marcks – ist auch Frauke Petersen, geduldig und großmütig, aber nicht blöd. Vielleicht etwas überrascht über ihren Mut, mit der Freundin in den Süden zu fahren, umschifft sie doch mitreißend die beunruhigenden Klippen des „Bibberns inner Büx“. Frauke P. wird dem Gatten keine Eier mehr braten. Doch keine Jean d’Arc im Geschlechterkampf zwar, aber eine Frau, die sich Missachtung nicht mehr bieten lässt.
jk / (Ausschnitt)
Norderstedter Zeitung
Selbstentdeckung in Griechenland
Herma Koehns Zwei-Stunden-Solo hat in Hamburg längst Kultstatus erlangt. Seit sechs Jahren spielt sie den Monolog voller Humor, Sarkasmus und Ehrlichkeit immer wieder an der Komödie Winterhuder Fährhaus. Beim Wandel von der frustrierten Kleinbürgerin im Blümchenkittel zur lebenslustigen Frau spielt Herma Koehn alle Nuancen ihrer Rolle aus.
Da stimmt jeder Ton, jede Geste.
kn / (Ausschnitt)
Elbe-Weser aktuell
Mit Mut zurück zum eigenen Ego
Viel Beifall auf offener Szene und ein langanhaltender Schlussapplaus belohnten Ohnsorg-Star Herma Koehn für ihre grandiose Leistung. In dem Ein-Personen-Stück des englischen Autors Willy Russell zog die Vollblutschauspielerin alle Register darstellerischen Könnens.
Vom ausgefeilten komödiantischen Spiel bis zur sentimentalen Naiven brillierte der aus Funk und Fernsehen bekannte Bühnenprofi mit einem wohldosierten Mix aus pointiertem Witz und rührender Devotion.
hz / Hechthausen / (Ausschnitt)
Gifhorner Rundschau
Frauke P. und ihr Kolumbus-Erlebnis
Eine Geschichte, die den Nerv der Frauen trifft. Auf der Studiobühne ließen sich die Zuschauerrinnen nur all zu gerne von Herma Koehn in ihre Welt des alltäglichen Frusts holen. Wenn sie von ihren eher unspektakulären Erlebnissen im Ehebett berichtet, löst da wahre mitfühlende Lachsalven aus.
Herma Koehn, mit begeistertem Schlussapplaus bedacht, spielte das alles mit einer ganz leichten Stimme, lässt Schalck aufblitzen, wenn sie verrät, das sie die anderthalb Pfund Hack für die abendlichen Frikadellen dem Ehemann einfach vorenthalten und lieber dem Hund der vegetarischen Nachbarn verfüttert hat und wird auf einmal ganz anrührend still, wenn sie sich an eine junge Liebe erinnert, die nicht mehr greifbar ist. Wie die Schauspielerin die kleinen Nuancen variiert, Gefühle nur im stummen Spiel mit den Requisiten ausdrückt und ihre Blicke von sehnsuchtsvoll bis kess ins Publikum schickt, das ist rund, sicher und ein glaubwürdiges Bild dieser Frau, die noch einmal ein kleines bisschen Glück haben möchte.
al / (Ausschnitt)
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